Stürmische Zeiten

Stürmische Zeiten in der Gemeinde Ambatomainty

Das neue Jahr hat für uns bei Hope-Projekte-Madagaskar ziemlich stürmisch angefangen.

Jean Nest

Der Gemeindeleiter Jean Nest von Ambatomainty  ist am 8.Januar heimgerufen worden. Er sieht jetzt Jesus, an den er geglaubt hat.

 

Jean Nest hat sich 2018 mit seiner gesamten Familie bekehrt und alle haben sich taufen lassen. Das war für uns auch ein noch nie dagewesenes Ereignis. Hat mich an die Begebenheit in der Apostelgeschichte erinnert, als sich der Gefängniswärter „mit allen, die in seinem Haus lebten“ für Jesus entschieden hat und sich taufen ließ.

 

 

Daraus ist eine lutherische Gemeinde entstanden, dessen Leiter Jean Nest war. Seine Sippe (die Verwandten, die nicht in seinem Haus leben) halten weiterhin am Ahnenkult fest.

Bei Jean Nest wurde 2020 Krebs festgestellt – Nieren / Blasenkrebs. Er wurde von 2 staatlichen Krankenhäusern als unheilbar nach Hause geschickt. Anfang des neuen Jahres kam er dann ins Missionskrankenhaus nach Ambohitsara „seelisch, körperlich und geistlich am Boden zerstört“. Auch wir konnten ihm medizinisch leider nicht mehr helfen. Die (ungläubige) Sippe hat dann das „Kommando an sich gerissen“ und ließen  ihn wieder zurück in sein Dorf schaffen. Sie wollten das unbedingt machen, so lange er noch lebt, da die Menschen auf dem Dorf  i.d.R. Angst vor den „Geistern der Verstorbenen“ haben. Normalerweise lassen sie z.B. einen Toten nicht in der Hütte liegen. Er muss draußen vor der Tür bleiben, wo auch die Totenwache abgehalten wird. Die Sippe hat auch nicht erlaubt, dass für Jean Nest vor Ort im Dorf gebetet wird. Gegen 4 Uhr morgens ist er dann in seinem Dorf gestorben.

Die Familie von Jean Nest hält weiterhin an Jesus fest. Das bedeutet:

  • Sie wollten die okkulten Zeremonien bei der Beerdigung nicht mitmachen. Sie mussten extra sitzen.
  • Jean Nest wurde extra  begraben. Er durfte nicht mit in das Familiengrab der Sippe. Für einen Madagassen ist das ziemlich schlimm. Für eine Beerdigung wird in Madagaskar i.d.R. von der Sippe viel mehr Aufwand/finanzielle Anstrengungen betrieben, als für jemand der im Krankenhaus liegt. Für unsere Wahrnehmung ist das ziemlich „schräg“, weil, solange jemand noch lebt, könnte man ihm ja z.B. durch Übernahme der Krankenhauskosten noch helfen. Aber so ist das dort nicht. „Erst wenn jemand tot ist“, lassen die Verwandten alles stehen und liegen und eilen zur Beerdigung. Nicht selten dauert diese 1 Woche, was auch jeder Arbeitgeber versteht. Es wird ein riesiger finanzieller und logistischer Aufwand betrieben.
  • Jean Nests Frau wird jetzt massiv von der Sippe unter Druck gesetzt: sie sei schuld, dass Jean Nest Krebs hatte und starb! Sie hätte bestimmt Ehebruch begangen. Die arme Frau! Trotzdem bleiben sie und ihre Kinder fest in Jesus verankert.
  • Die Sippe hilft der Witwe vermutlich nicht mehr ( z.B. durch finanzielle Unterstützung). Die ganze Familie hat jetzt eine sehr schwere Zeit vor sich. Wenn jemand in Madagaskar auf dem Dorf Christ wird, ist das manchmal damit vergleichbar, wenn jemand in unserem Breitengrad alle seine Versicherungen kündigt. Inklusive Renten- und Krankenversicherung.

Wir freuen uns, dass wir im Missionszentrum die Familie folgendermaßen unterstützen konnten:

  • wir haben Jean Nest und seine Angehörigen mit dem SADKO, vom Buschkrankenhaus in Ambohitsara aus, nach Hause gefahren und waren auch bei der Beerdigung anwesend.
  • In Madagaskar ist es üblich, dass man mit Geld und Lebensmittel (Totenwache) zur Beerdigung beiträgt, was wir auch gemacht haben.
  • Wir werden die 3 Kinder von Jean Nest in der Missionsschule unterstützen (z.B. brauchen sie kein Schulgeld bezahlen, kriegen Hilfe bei der Beschaffung von Schulmaterial….) Romiliazara, der Älteste, ist jetzt in der 13. Klasse. Wenn es nach der Sippentradition ginge,  würde er jetzt aus der Schule ausscheiden, um den Platz seines Vaters bei der Beschaffung des Familienunterhalts  einzunehmen. Das will Hope-Projekte-Madagaskar  unter allen Umständen verhindern – er soll sein Abitur machen – evtl. könnte er danach im Missionszentrum arbeiten (?). Er arbeitet auch jetzt schon in der Schülermission mit.

Auch die kleine Gemeinde in Ambatomainty steht natürlich hinter der Familie und hat ihnen auch bei der Beerdigung Beistand geleistet.

Bitte betet:

  •  dass wir von Hope-Projekte-Madagaskar das Richtige zu ihrer Unterstützung weiterhin tun
  • für die Witwe und die Familie, dass sie an Jesus festhalten
  • für die kleine Gemeinde in Ambatomainty, die jetzt ohne Leiter dasteht
  • ….

Trotz allen Schwierigkeiten und Widrigkeiten halten unsere Geschwister in Ambohitsara und Umgebung an Jesus fest! Wir danken Gott dafür – ihm sei alle Ehre.

 

Dieser Beitrag wurde unter Gemeindearbeit veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*